Leserbrief
Leserbrief zum Artikel Eichen sollen weichen vom 13.11.2014 im Soester Anzeiger

Der Umstand, dass geschädigte Bäume je nach Standort und Vitalität aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht nach eingehender Prüfung weichen müssen wird keineswegs bestritten. Nun bin ich kein ausgebildeter Baumsachverständiger oder Mykologe und muss auf Expertenwissen vertrauen. Daher wäre eine aktuelle gutachterliche Stellungnahme, zumindest aber ein uneingeschränktes Informieren über das gesamte bereits vorliegende Wissen als Entscheidungsgrundlage für die Mitglieder des Ausschusses für Landschaftspflege und Umweltschutz (ALU) nötig gewesen. Dies hat nach meiner Erkenntnis nicht stattgefunden, da weder alle vorliegenden Gutachten wie z.B. des Gutachters Trabold vom 22.11.2011, noch die Bewertungen von Herrn Smolinski, dem Landeskoordinator und Pilzsachverständigen der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DgfM) im Ausschuss vorgestellt wurden. Vielmehr sind die Einschätzungen des Herrn Smolinski als die eines Hobbypilssammlers in der Sitzung diskreditiert worden.

Bei der Ortsbesichtigung des ALU wurde auf lichte Kronen und Rindenablösung einzelner Stämme verwiesen. Als Begründung hierfür wurde eine massive Schädigung aufgrund von Hallimaschbefall genannt. Dieser Pilz ist aber sehr weit verbreitet und beeinträchtigt die Vitalität eines Baumes nicht zwingend. Dass Pflegemaßnahmen während der Brutzeit im Sommer diesen Jahres zur Kronenauslichtung beigetragen haben wurde vom zuständigen Mitarbeiter der Verwaltung erst auf Nachfrage erwähnt. An den abgesägten Ästen konnte zum damaligen Zeitpunkt jedoch optisch kein massives Krankheits- oder Schadbild erkannt werden. Warum wurden diese Bäume so behandelt und welche Bewertung bzw. Untersuchung oder Dokumentation der Maßnahme hat stattgefunden? Haben die umfangreichen Baumassnahmen und Erdbewegungen auf dem Areal des Hof Haulles nicht erst die jetzige Situation ausgelöst bzw. dazu entscheidend beigetragen? Wenn dem so wäre hat man offenbar gewollt, zumindest aber billigend in Kauf genommen, dass eine Schädigung des Wurzel-, Stamm- und Kronenbereichs der wenigen noch verbliebenen alten Eichen stattfand. Von der Verwaltung der Gemeinde wurde Ende 2011 der Baumbestand noch als orts- und hofbildprägender Baumbestand bezeichnet. Aber hat es das Ziel mäglichst viele alte Eichen zu erhalten noch gegeben? Nun will man ohne weitere Einschätzung von Experten darauf komplett verzichten.

Derzeit wird auf einem Teil des Hofgeländes mit Sicherheitsabsperrung und Warnhinweisen auf die Astbruchgefahr hingewiesen. Jedem Betrachter wird allerdings sofort klar, dass wenn die Stand- und Bruchsicherheit der Bäume so akut gefährdet ist, wie von einigen Ausschussmitgliedern und den zuständigen Verantwortlichen suggeriert wird sofort ein wesentlich größerer Bereich samt angrenzendem Parkplatz abgesperrt werden müsste. Den Zugang zur Kulturscheune weiterhin zu gestatten erscheint nahezu fahrlässig. Hier drängt sich die Frage auf, ob die Verkehrsicherungspflicht nicht als sehr willkommenes Argument herhalten muss und vorgeschoben wird. Ich glaube jedenfalls nicht, dass die vermeindlich akut von Astbruch gefährdeten Bäume wissen, dass sie nur Äste auf die neuangelegten Rasenflächen abwerfen dürfen. Inwieweit bei der Beantragung von Fördergeldern der Erhalt des Hofcharakters samt Altbaumbestand eine Rolle gespielt hat wäre zu prüfen.

Um es deutlich zu machen, es geht mir grundsätzlich nicht um den Erhalt einzelner Eichen. Im Umgang mit Natur muss es allerdings mehr Transparenz bei der Begründung für Entscheidungen geben. Es fehlt offenkundig an sinnvollen und nachvollziehbaren Konzepten. Nicht nur im Umgang mit Freiflächen und Bäumen erscheint in der Gemeinde Bad Sassendorf jedenfalls noch erheblicher Verbesserungsbedarf, um verbindliche Ziele und dafür geeignete Konzepte zu erarbeiten. Mit dem Verschwinden der Eichen auf Hof Haulle verschwindet nicht nur ein prägender Teil von Bad Sassendorf, sondern auch Vertrauen in die Verantwortlichen.