Anfrage
Anfrage an das Gutachterbüro vom 16.2.2015

Sehr geehrter Herr Stelzig,

die Gemeindeverwaltung, Herr Stember, hat mir das Protokoll der Erstbegehung vom 03.02.2015 basierend auf der Begutachtung vom 14. Januar 2015 zugesandt. Ich möchte mich für die Ermöglichung dieser Übersendung bedanken und werte dies als ein Bemühen um Transparenz.

Aus dem Protokoll gehen allerdings einige Zusammenhänge hervor, die ich als Fragestellungen bzw. Beschreibungen im folgenden Ihnen zur Stellungnahme darstellen möchte.

1. Kenntnis vom Gutachten Lederer

Aus dem Protokoll geht hervor, dass Sie Kenntnis vom Gutachten des Büro Lederer hatten und dass Sie die darin enthaltenen Aussagen berücksichtigt haben.

Dieses Gutachten ist offiziell ausschließlich der unteren Landschaftsbehörde des Kreises Soest bekannt. Insofern bin ich erstaunt, wie Sie offiziell in den Besitz des Gutachtens gelangt sind. Bitte teilen Sie mir mit wie Sie in den Besitz des Gutachtens gelangt sind.

2. Widerspruch "Begehung vollständig"

Auf Seite 1 des Protokolls wird dargelegt, dass sich im wesentlichen die Untersuchung auf die vorhandenen Gebäude bezieht, die vollständig begangen wurden.

Auf Seite 2 wird dann allerdings die "vollständige Begehung" eingeschränkt, in dem nur die begehbaren Gebäude, bzw. Gebäudeteile untersucht wurden. Die Hervorhebung von Kellern und Dachböden, soweit vorhanden, erscheint bei einer "vollständigen Begehung" etwas auffällig. Es sei denn, eine vollständige Begehung ist ein Fachterminus der einer Erklärung bedarf. Falls dies nicht so sein sollte, bitte ich um Erklärung wie die nicht begehbaren Räume in der Untersuchung berücksichtigt wurden. Dies betrifft vor allem die beiden Gebäude aus dem 18. Jahrhundert, die laut Ihrer Begutachtung abgerissen werden können. Ich konnte im Protokoll keinerlei Hinweis der Berücksichtigung erkennen und sehe darin einen erheblichen Mangel gerade bezüglich der Einschätzung, dass Abriss- und Aufräumarbeiten von Ihnen als unbedenklich eingestuft wurden. Welche Erfassungen haben in welchem Umfang bei welchen Gebäuden stattgefunden? Ich bitte um eine Dokumentation des Erfassungsumfanges und der Ergebnisse.

3. Ausschluss von Eulen und Turmfalken

Auf Seite 2 des Protokolls wird das Vorkommen von Turmfalken und Eulen (Schleiereule, Steinkauz) ausgeschlossen, da sich weder Kotspuren oder andere Hinweise finden ließen. Sie schließen in Ihrer Begutachtung daraus, dass die Gebäude daher weder aktuell, noch irgendwann in den letzten Jahren Fortpflanzungs- oder Ruhestätten dieser Arten gewesen seien.

Bei der gemeinsamen Begehung eines Dachbodenbereiches des großen Wirtschaftsgebäudes im Rahmen des "Tages der offenen Tür", habe ich eine Feder einer Schleiereule auf dem Dachboden gefunden. Dies wurde von Herrn Müller auch als Feder einer Schleiereule bestätigt. Auch wurde Gewöllmaterial auf dem Dachboden gefunden. Die Feder war am Dienstag noch nicht vorhanden, der Tag an dem ich diesen Dachboden im Rahmen der Besichtigung des PBVA des Gemeinderates auch begangen habe.

Diese Beobachtung steht im Widerspruch zu Ihren Einschätzungen bezüglich des Vorkommens von Eulen. Die Einschätzungen bezüglich des Ausschlusses von Eulenvorkommen ist für mich nicht nachvollziehbar.

4. Vorkommen Feld- und Haussperling

Diese beiden Arten werden nicht vollkommen ausgeschlossen, obwohl keine Individuen beobachtet wurden. Da an, bzw. in den ältesten Teilen der Remise Ihrer Beurteilung nach am wahrscheinlichsten mit einem Vorkommen zu rechnen ist, sollen diese Gebäudeteile vorerst nicht abgerissen werden.

Der Teilabriss dürfte dann meiner Einschätzung nach allerdings eine erhebliche Beeinträchtigung des Lebensraumes und der Lebensstätten darstellen, die von Ihnen so allerdings nicht gesehen wird. Bei den Begehungen des Geländes konnte ich etliche Nester in den Rolllädenkästen des Wohnhauses auch von außen erkennen. Diese Nester sahen durchaus Nestern von Sperlingen ähnlich. Diese Beobachtungen fehlen in dem Protokoll der Erstbegehung. Das Fehlen des Aufführens solcher gut erkennbaren Neststrukturen im Protokoll, erklärt sich mir nicht und wird als Mangel wahrgenommen. Bei den notwendigen Sanierungsmaßnahmen werden diese Nester zwar mit Sicherheit entfernt werden müssen, sie sollten allerdings schon erfasst werden um einen entsprechenden Ausgleich zu ermöglichen.

5. Nester anderer Vogelarten

Auf Seite 2 der Begutachtung wird auch das Vorkommen von Nestern anderer Vogelarten erwähnt. Diese werden aber nur als relevant betrachtet, so sie denn "bewohnt" sind. Dies ist in Anbetracht der Jahreszeit nicht anders zu erwarten als das sie unbewohnt sind. Die Summe gerade aller dort vorkommenden Arten von Vögeln aber auch anderer Arten machen den Wert bezüglich der Biodiversität des Areals aus. Eine solche Erfassung wird bei der im Protokoll erkennbaren Vorgehensweise vermutlich nicht erfolgen und entsprechende Daten könnten bei einer umfänglichen Beurteilung des Lohofes zu fehlerhaften Ergebnissen führen.

6. Dachböden hell und zugig

Auf Seite 3 der Begutachtung wird auf die Ungeeignetheit der Dachböden verwiesen, die durch Schäden im Dach hell und zugig sein sollen. Solche Zustände wie im Protokoll beschrieben, hell und zugig, wie sie in der Begutachtung aufgeführt sind, konnten bei meinen Besichtigungen nicht festgestellt werden. Dieses betrifft das Wohngebäude und das große Wirtschaftsgebäude, soweit es für die Öffentlichkeit zugänglich war. In beiden Gebäuden waren die Dächer zumindest so dicht, dass von "hell" nicht die Rede sein konnte. Es gab auch genügend abgeschottete vollkommen dunkle Bereiche auf den der Öffentlichkeit zugänglichen Dachbodenteilen. Bei der Betrachtung der Dächer von außen waren auch keinerlei Schäden zu erkennen, die auf einen "hellen" Dachboden auf Grund von Dachschäden schließen lassen.

Die Darstellung des Lebensraumes "Dachboden" in der Begutachtung ist somit erkennbar fehlerhaft und die entsprechenden Rückschlüsse könnten entsprechend mit Fehlern behaftet sein.

7. Aussenfassaden

"An den Außenfassaden finden sich keine als Spaltenquartiere nutzbaren Bauteile oder Strukturen." So steht es in der Begutachtung. Eine Mitarbeiterin des Planungsbüro Lederer, die sich am 14. Februar im Rahmen des Tages der offenen Tür die Örtlichkeiten angesehen hat, konnte diese Auffassung nicht bestätigen. Ihr sind Verkleidungen an den Gebäuden aufgefallen, die potenziell geeignet sind um Quartiere von Fledermäusen zu sein.

Es ergeben sich daraus Unterschiede in der Beurteilung der Qualität des Habitats bzw. des Potenzials für das Vorkommen von Fledermäusen. Nach meinen eigenen Erfahrungen mit z.B. Breitflügelfledermäusen in Bad Sassendorf, ist die Einschätzung, dass die Nebengebäude kein Quartierpotenzial besitzen, eine Einschätzung die in ihrer Absolutheit doch erstaunt.

Mit Erstaunen wird dann im weiteren Text die Remise erkennbar nicht zu den Nebengebäuden gezählt. Sie ist aber erkennbar ein Nebengebäude und an bzw. in ihr sind Quartierpotenziale zu erkennen. Alleine eine solche Ungenauigkeit bei der Beschreibung des Sachverhaltes (Nebengebäude) lässt den Schluss zu, dass es solche Definitionsungenauigkeiten auch in anderen Details geben könnte und die Begutachtung fehlerhaft sein könnte.

8. Fazit

Aus dem dann folgenden Fazit ist zu entnehmen, dass von Seiten Ihres Büros es keinerlei "relevante" bzw. "erhebliche" Störungen bei den Abriss bzw. Aufräumarbeiten geben wird. Aus der Logik, dass es keine Lebensstätten von Tieren sind, erscheint dieses zwingend richtig.

Die Einschätzung und die im Protokoll nur in rudimentärer Weise vorgetragenen Daten decken sich, wie ich in den oben angeführten Punkten zu verdeutlichen versucht habe, nicht mit den beschriebenen Beobachtungen.

9. bisherige Baumfällungen

Laut Ihren Aussagen haben nur Fällungen von Gehölzen stattgefunden, die ca. 10 cm Durchmesser hatten. In der Begutachtung steht nun, dass Sie Fällungen von Bäumen mit einem Stammdurchmesser in Brusthöhe von 25 cm zustimmen und diese für unbedenklich erachten. Tatsächlich wurden am 2. Februar Schredderarbeiten durchgeführt und das Schreddermaterial bzw. Teile davon sind auf dem Gelände verblieben. Bei genauer Betrachtung konnte man an einigen Stellen unter dem Schreddergut Stubben von Bäumer erkennen, die definitiv erheblich größer waren als 10 cm im Durchmesser. Die Diskrepanz zwischen den Aussagen (10 cm Durchmesser) und den im Protokoll angegebenen Maßen von 25 cm BHD erweckt nicht unbedingt Vertrauen in die von Ihnen getroffenen Aussagen. Die "versteckten" Stubben tun ihr übriges dazu.

Fazit

In Summe der Einzelheiten der für mich sich ergebenden Ungereimtheiten, die ich versucht habe zu verdeutlichen, ergeben sich Hinweise, dass die von Ihnen abgegebene Beurteilung der Unerheblichkeit bzw. fehlenden "Relevanz" bei den Aufräum- und Abrissarbeiten mit Fehlern behaftet sind.

Bei der im Protokoll ausgeklammerten Beurteilung des Baumbestandes, der in der Zwischenzeit vermutlich erfolgt ist, befürchte ich, dass es bei der Fällung der Bäume an Spreitweg und Soester Strasse zu den Fällungen im Sinne des Investors kommen wird.

Ich hoffe, dass meine Gedanken und Beobachtungen deutlich geworden sind. Für Rückfragen oder ein klärendes Gespräch stehe ich gerne zur Verfügung. Gerne begehe ich auch mit Ihnen und einem Mitarbeiter des Büro Lederer oder einem anderen Biologen das Gelände und die Gebäude um Missverständnisse auszuräumen.

Versichern kann ich Ihnen, dass ich mit meinem Engagement für den Erhalt der Naturzusammenhänge, die sich in den vergangenen 40 Jahren ungestört entwickelt haben, Ihre Tätigkeit kritisch begleiten werde. Gerade dieser Aspekt der langen Zeit der Ungestörtheit findet keinerlei Widerhall in den mir bisher zugänglichen Beurteilungen des Lohofareals.

Mit freundlichen Grüßen Karl Rusche