Leserbrief
Freibrief für Investor?

Die Sichtweise der Verwaltung bezüglich des Ordnungswidrigkeitverfahrens in Sachen Denkmalschutz den Park des Lohofes betreffend, so wie sie im Artikel des Soester Anzeigers vom 04.09.2015 wiedergegeben wurde, offenbart eine selektive Wahrnehmung des Sachverhaltes. Da lohnt sich ein etwas genauerer Blick auf die Abläufe bzw. die Bewertung derselben.

Der Landschaftsverband Westfalen Lippe (LWL) übermittelt der Gemeinde am 11. Februar 2015 zehn Hinweise, die bei den Arbeiten im Parkbereich zu befolgen sind. Dabei heißt es unter 2.) Auf den unbedingten Schutz der Rotbuche am Teich, der Eichenreihe an der westlichen Parkgrenze, der Kiefern und der leider bereits stark beschnittenen Eiben und Rhododendren vor dem Herrenhaus weisen wir ausdrücklich hin. Es geht also nicht nur um „Alleebäume“ sondern auch um andere Gehölze. Auch Eiben zählen zu den unter Denkmalschutz stehenden Gehölzen.

14. Januar 2015 - der Lohof konnte erstmals von Vertretern der Fachbehörden betreten werden.

19. Januar 2015 - Laut Schreiben der Gemeinde wurden an diesem Tag „Landschaftspflegemaßnahmen vorgenommen.“ Ob es mit den Fachbehörden bzw. dem Gutachtenbüro abgestimmt war, ist fraglich.

22. Januar – „Baumschnittarbeiten“ werden vom Investor in der Presse angekündigt. Grundlage dafür sollen die Auswertungen der Drohnenerfassung des Lohofes sein, die am Tag zuvor stattgefunden haben und deren Auswertung vom Investor erwartet werden.

23. Januar 2015 - Die vorläufige Unterdenkmalschutzstellung wurde laut Gemeinde dem Investor zugestellt und damit wirksam.

27. Januar 2015 - Laut eigener Aussage hatte allerdings die untere Landschaftsbehörde (uLB) keine Kenntnis vom Umfang der Arbeiten obwohl sie diesen zustimmen muss.

28. Januar 2015 - Das Gutachtenbüro Stelzig stimmt nach einem Ortstermin am gleichen Tag in einem Brief mit dem Investor die Gehölzpflegearbeiten ab. Diese sollen erst nach dem 14.Februar und vor dem 1. März stattfinden.

10. Februar 2015 – Der Planungs- Bau- und Verkehrsausschuss besichtigt den Lohof. Die Eiben und Rhododendren sind da bereits gehäckselt.

Juni 2015 - Fräsarbeiten in Teilen der Wurzelbereiche der unter Denkmalschutz stehenden Bäume.

Das Ordnungswidrigkeitsverfahren und seine Einstellung wirkt vor dem Hintergrund dieser oben dargestellten Sachverhalte eher wie ein „Schauspiel,“ um durch dieses Verfahren die Hände des Investors in der Öffentlichkeit in „Unschuld“ zu waschen. Es bleibt die Frage, wann der LWL die leider bereits stark beschnittenen Eiben und Rhododendren vor dem Herrenhaus gesehen hat. Das müsste sich doch für eine Gemeindeverwaltung klären lassen.

Karl Rusche
Bad Sassendorf